20.02.05

Womit man eine dritte Niere übertrumpft

Letzte Woche erzählte meine Arbeitskollegin während eines Seminars, sie habe drei Nieren. Eigentlich dachte ich, sie hätte zwei Blasen, schließlich trinkt sie etwa vier Liter Tee, einen Liter Milch und unzählige Gläser Wasser am Tag, geht aber nur etwa alle zwei Stunden pinkeln.

Mit ihren drei Nieren war die junge Frau der Star der Veranstaltung, die Männer hatten Stielaugen, als hätte sie gerade verkündet, sie hätte drei Titten, und für den nächsten Seminartermin muss ich mir verdammt noch mal was überlegen. Womöglich könnte ich mit der folgenden kleinen Posse das Publikum entzücken:

Ich muss vorausschicken - Dinge reden normalerweise nicht mit mir. Es sei denn, ein Geschenktag naht. Dann gehe ich durch die Stadt, meistens ahnungslos, weil ich mir Daten einfach nicht gut merken kann, und es kann gut vorkommen, dass ich wie vom Donner gerührt vor einer Schaufensterauslage stehe, weil mir ein zartgelbes Seidennegligé erzählt, es wäre das perfekte Weihnachtsgeschenk für meine Großmutter.

Einmal stritt ich mich wochenlang mit einem Karaokebarsch, der behauptete, er wäre ein großartiges Geburtstagsgeschenk für meinen Freund G. Der Barsch hieß Billy Bass, war auf einem Holzimitatbrett festgeschraubt und spielte "Take Me To The River", wenn man auf einen Knopf drückte. Dazu bewegte er dann sein Fischmaul und wippte mit der Schwanzflosse im Takt.

Unglücklicherweise befand sich Billy in einem Geschäft, an dem ich auf meinem Arbeitsweg vorbei kam. Ich musste nur an der offenen Ladentüre vorbeigehen, da hörte ich schon die ersten Noten von "Take Me To The River". Machte ich den Fehler stehenzubleiben oder gar den Laden zu betreten, keifte er, er sei es nicht gewohnt, dass man sich so ziere, er wolle endlich mit. Ich müsse doch einsehen, was das Beste für mich sei, und vor allem für G. Meinen ins Regal gezischelten Einwand, G. sei schließlich schon weit über dreißig und interessiere sich vermutlich nicht mehr für Spielzeug, ließ er nicht gelten.

So ging das wochenlang. Dann hatte er mich soweit. Die Kassiererin war sehr erleichtert, als ich ihr mitteilte, dass ich nun nicht mehr täglich in ihr Geschäft kommen würde, einige der Stammkunden applaudierten.

G. hat später gesagt, Billy sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk seit der Playmobil-Feuerwehr.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Wundervoll. Im Übrigen sprechen ja auch die Schneegestöberkugeln, die griechischen Fickteller und die gelben Plastikröschen. Zu mir, jedenfalls.

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Ah. Ich habe mal einen Verwandten von Billy kennen gelernt und muss gestehen, dass ich mit ihm eines der besten Gespräche führte, an die ich mich erinnern kann. Vielleicht hätte ich ihm meine Telefonnummer geben sollen...

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Betreff: drei Nieren. In welchem Kontext kam sie dazu, Dir davon zu erzählen? War es so etwas wie: "Ich bin müde." - "Ich habe drei Nieren."? Eher nicht, oder?

Pe hat gesagt…

Es war eher so wie

"Mein lieber Herr Gesangsverein. Sie haben ja einen Teedurchlauf, bei dem einem ganz schwindelig wird."
"Ich hab ja auch drei Nieren."

Setza hat gesagt…

[Ich versteh das trotzdem nicht: 50 Prozent mehr Nieren --> ca. 50 Prozent MEHR Urin. Aber doch nicht weniger. Was bitteschön ist die Botachaft. Weiht mich doch mal ein.]

Pe hat gesagt…

Ich bin kein Arzt. Ich muss das nicht wissen.

fagga hat gesagt…

Was mich jetzt noch interessieren würde: Wie kommt man zu einer dritten Niere?
Und: Wieso gucken die Männer da? Ich mein, klar, Nieren sind bestimmt warm, weich und glitschig. Sowas mag man ja als Mann. (Igitt.) Aber...
Also nee. Niere.

Pe hat gesagt…

Die Theorie, eine dritte Niere könne man sich antrinken, ist, glaube ich, guten Gewissens verwerfbar. Anscheinend muss man mit sowas geboren werden. Wie es dazu kommt, könnte man natürlich auch kontrovers diskutieren (Spontanmutation, Tschernobyl).
Sicher ist allenfalls: Männer finden naturwissenschaftliche Kuriositäten anziehend.

viktorhaase hat gesagt…

zu mir sprechen die dinge nicht. sie fangen aber sofort an zu jammern und zu wehklagen, sobald ich sie wegschmeißen will. das bringe dich dann nicht über`s herz.

fagga hat gesagt…

Ich glaube, ich fände es eher unheimlich als anziehend, wenn ich eine Kollegin mit drei Nieren hätte. Wer weiß, wie anfällig einen sowas für Zombie-Viren macht. Oder so. Man steckt ja nicht drin in der Niere.

Und dem Herrn Haase sei geraten, die Gegenstände einfach bewußtlos zu schlagen, bevor er sie wegschmeißen will.

Setza hat gesagt…

Wieso wird dieser geschmeidige Text von der Pe. hier eigentlich so »hingenommen«?!
Wird man heutzutage überhäuft mit brillanten Texten, muss man die Braue gar nicht mehr heben deswegen?
Man soll!

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Natürlich soll man. Prinzipiell. Aber soll man es Pe (und sich) so einfach machen? Da schreibe ich doch mal: "So brillant war der Text doch gar nicht." und warte darauf, dass mir die geballte Verachtung der Entourage mit aller Wucht entgegenschlägt.

Setza hat gesagt…

Ach komm, bevor Du das getippt hast, warst Du monatelang in einem Meidbewegungstrainingscamp.
Ach: Tag, Schaf.

viktorhaase hat gesagt…

ist tatsächlich ein schöner text.
und fagga, vielen dank für den tipp.
ist ein guter.

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Die Verwendung einer Textqualitätsratingskala würde viele Probleme lösen - wie beispielsweise das, sich neben "geschmeidig", "brillant" und "schön" noch andere passende Bewertungsattribute aus den Fingern saugen zu müssen, die das ganze Ausmaß der Huldigung sowieso nicht angemessen darzustellen vermögen. Ich beantrage von 1 ("phänomenal") bis 10 ("virtuos") reichende Skalenstufen.

Setza hat gesagt…

Fein.
Genhemigt.
Wenngleich sich mir das skalenhafte an den Beispielen für 1 und 10 nicht erschließt. Das sind eher Spektrenanteile auf ein und derselben Niveauebene. Nö?!
Nun gut. Aber jetzt nicht nur beantragen sondern bitte auch strukturiert vorlegen, Schaf.

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Inspiration: ja. Buchstabenverschwendung: nein.

Schwarzes Schaf hat gesagt…

P. S.: 8. Ungefähr.

Setza hat gesagt…

Ich versteh' mal wieder nix..