24.04.05

Wichtige Entdeckungen, heute: ich bin Gott

Die Einkaufspassage in H. kann man sich nicht schöner ausmalen. Rudis Resterampe, Kallis Klüngelkiste und der fabelhafte Ein-Euro-Laden fein säuberlich hintereinander aufgereiht. Die überwiegende Mehrheit des zwischen den Einkaufstempeln herumlungernden Publikums ist bereits mittags stramm alkoholisiert. Passenderweise gab man diesem Hort des gepflegten Konsumverhaltens den Namen Boulevard Bahnhofstraße.

Dass ich Gott bin, habe ich herausgefunden, als ich an ebendiesem Ort das folgende Wunder vollbrachte:

Dezember 2003. Auf dem Boulevard hatte sich der Weihnachtsmarkt pünktlich eingefunden und ich mich ebenfalls. Und zwar am Crêpestand. Ich hatte nämlich Hunger. Und zwar ausgesprochen viel davon. Und weil sich alles so glücklich fügte, formulierte ich gegenüber dem Bedientier in der Bude, es möge mir gegen Entgelt einen französischen Dünnpfannekuchen mit Thunfisch und Käse bereiten.

Erst als durch Nicken und Einleiten des Fertigungsprozesses sichergestellt war, dass ich heute nicht Hungers sterben würde, nahm ich mir die Zeit, das Bedientier genauer zu studieren. Es handelte sich um einen Mann mit schlohweißem Haar und aussagekräftigem Atem. Korn und Bier, tippte ich. Ausgeprägter Tremor. Vermutlich noch nicht genug Korn und Bier. Also ein wahrer Glücksgriff für die Kernzielgruppe. Während ich so schaute, begaben sich Old Jitterhand und der Bundesgrenzschutz auf die zwanzigminütige Suche nach dem Käse. Nachdem dieser schließlich gefunden, verhaftet und auf dem inzwischen schwarzbraunen Teigling ausgebreitet worden war, minderte Old Forehand durch permanenten Schlageinsatz des Teigwenders die Verdunkelungs- und Fluchtgefahr. Kurz darauf war der herstellerseitig gewünschte Endzustand des Produktes erreicht, und Old Shiverhand übergab es mir gegen ein nicht geringes Lösegeld.

Nun muss man wissen: Die beliebteste Crêpesorte ist in H. ebenso wie anderswo Zimtzucker. Old Tremorhand hatte tagsüber schon einige Exemplare davon zubereitet und war mit der Zucker-Zimt-Mischung weder kleinlich noch besonders sorgsam vorgegangen. Der weit überwiegende Teil der Gewürzmischung landete auf den Crêpeplatten, wo sie karamelisierte und wartete. Und zwar auf mich und meinen Teigling.

Ich biss also herzhaft in eine mit Thunfisch, Käse und Oregano belegte Backware, die weder nach Thunfisch noch nach Käse schmeckte, dafür aber durchdringend nach Zucker und Zimt mit feiner Oreganonote, und erstaunlich prachtvolle Fäden zog.

Es ist unmittelbar einsichtig, dass jedes andere Wesen nach dem Genuss dieses Nahrungsmittels, das kein verantwortungsvoller Bauer an seine Tiere geben würde, gestorben wäre. Mir wurde jedoch nicht mal schlecht davon. Es gab nur eine Schlussfolgerung: Ich bin unsterblich. Das einzig mir bekannte unsterbliche Wesen außerhalb der Marvel-Comic-Szene ist Gott.

Die Sache mit Ratzinger konnte ich trotzdem nicht verhindern. Tut mir Leid.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Nach Dir nach dieser Tortur bloß keine Vorwürfe...

Benedikt ist Gottes Wille. Nicht seine misslungene Vehinderung.

Mit dem J. Ischariot soll es sich ja ähnlich verhalten. Ohne den hätte die ganze Sache womöglich geendet wie in einer miserablen Seifenoper.

So sei es.

Pe hat gesagt…

Meinen Willen werd ich doch wohl am besten kennen.

Setza hat gesagt…

...da beschleicht mich die Frage, ob ER/SIE eigentlich ein Überich hat?!

Pe hat gesagt…

Ganz offenbar, wenn ICH mich entschuldige.

derkritiker hat gesagt…

schlimm.. ganz schlimm schlimmer text.. blöde idee, geschichte zu alt und nicht mal einen lacher wert! sorry.. null punkte..!