21.05.05

Don Dahlmann macht's mal wieder vor

Nach einer Ursache gefragt, einfach mal antworten: "Aus Gründen."

Aus Gründen ist es nämlich so, dass ich mich von den Möbeln, die bereits in meinem Jugendzimmer das Odeur der Spießigkeit verbreitet haben, auch nach zehn Jahren des eigenen Hausstandes nicht trennen will. Jawohl, liebe Halberwachsene, die ihr in schicken Altbauwohnungen mit Deckenstuck und Echtholzmöbeln wohnt: Ich spreche von Astkieferfurnier. Das blättert an einigen Stellen schon ab, besonders von der Schrankwand mit integrierter Glasvitrine, und wenn der gestrenge Herr Papa das sähe, würde er sagen "Ware nach Geld, Kind.", und er hätte natürlich Recht. Die Schrankwand war damals schon billig, und noch billiger war sie, weil wir das Fehlen einer Leiste reklamiert haben, die sich wenige Tage später in einem der verbliebenen Pappkartons materialisiert hat. Dort, wo die Astkieferimitation sich nach fünfzehn Jahren vom Untergrund trennt, lugt das Pressholz keck hervor. Hin und wieder versorge ich die Wunden mit Alleskleber.

Seit ich meine schrottreife Weißfurnierküche in meinen Lieblingsfarben gestrichen habe, weigere ich mich außerdem, sie gegen ein funktionstüchtiges Ensemble auszutauschen. Aus Gründen natürlich. Und die Gläsersammlung von Leonardo, die ich mit vierzehn angefangen habe, kommt mir aus Gründen ebenfalls nicht aus dem Haus.

Umziehen kann ich leider nicht mehr, weil die Möbel beim nächsten Abbau mit Sicherheit zu Staub zerfallen werden. Und dann stehe ich ohne meine Schätze da.

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