09.07.05

Goldwell und die Sozis

Das einzige, was ich Bundeskanzler Schröder nie verzeihen werde, ist, dass sein Vorstoß, Haarkosmetik für den heterosexuellen Mann zu etablieren, mir eine Affaire mit B.2 vermasselt hat.

B.2 hatte so wunderbare blaue Augen, dass ich seine seltsam gefärbten Haare (schwarz mit roten und blauen Blockstreifen) kaum bemerkte. Dass er furchtbar dünn war und eine Lederjacke mit Bindebommeln an den Seiten trug, störte mich aus unerfindlichen Gründen auch nicht. Sein extrovertierter Tanzstil, in dem er Elemente Robert Smiths und Joe Cockers keck vermischte, entlockte mir ein mildes Lächeln und, wenn B.2 wegschaute, den Hinweis an die Umstehenden, wir würden gerade ein neues Medikament ausprobieren. Kurzum, ich war auf dem besten Wege, mich zu verlieben.

An einem Freitag lud mich B.2 ins Kino ein. Der Film war mir egal, ich wollte endlich geküsst werden. Ich investierte eine unverschämt hohe Summe in eine Lederhose. Ein lauer Wind in meinem Oberstübchen hatte mir nämlich folgende Formel zugeflüstert:

Männer + neue Autos = super
Pe + nach neuem Auto duftende Hose + B.2 = ohlala

Den restlichen Tag verbrachte ich im Badezimmer. Männer können nicht ansatzweise ermessen, was für ein hartes Geschäft die Verführung ist. Ich brachte Stunden damit zu, Haare an einer Stelle zu entfernen (oh, diese Schmerzen!) und an einer anderen Stelle besonders buschig aussehen zu lassen. Dann bepinselte ich mir das Gesicht noch an den Stellen, die ich besonders zur Kenntnis genommen zu werden wünschte. Als ich perfekt war, ging ich los.

Es regnete.

Ich hatte keinen Schirm dabei.

Ich traf eine Viertelstunde zu früh vor dem Kino ein und war freundlich zu diversen unsympathischen Herren, damit sie mich für ein paar Minuten unter ihren Schirm ließen. Deren Verabredungen waren allerdings überpünktlich.

Ich fing an mir Sorgen zu machen, dass B.2 vielleicht vor dem falschen Kino auf mich wartete. Ich trabte zu den drei anderen Kinos in der Innenstadt.

Es regnete stärker.

Schließlich musste ich einsehen, dass B.2 nicht mehr aufkreuzen würde. Ich wischte mir das Rouge vom Kinn, betrat das Kino und sah mir den Film alleine an. Über dessen Qualität kann ich allerdings nur mutmaßen. Meine Augen tränten die ganze Zeit von der Wimperntusche, die mir hineingeraten war, als ich mir die letzten Regentropfen aus dem Gesicht wischen wollte. Von den umliegenden Sitzen wurden mir Taschentücher angeboten. Man war sichtlich beeindruckt von so viel Ergriffenheit.

Auf dem Heimweg beschloss ich, einen fabelhaften Abend gehabt zu haben.

Daheim empfing mich das lustige Blinken meines Anrufbeantworters. "Pieeeep - Hallo Pe, hier ist B.2, ich hoffe, du hörst das noch, bevor du losgehst. Jedenfalls, ich schaff das heute nicht. Ich muss mir nämlich noch dringend die Haare färben. Ruf mich doch bitte zurück."

Kommentare:

Jonas hat gesagt…

keine schöne entschuldigung...

Pe hat gesagt…

Stimmt, darauf läuft's hinaus.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Ich war einige Zeit mit der damals besten Jungfriseurin Deutschlands zusammen. Das Ende war sehr bitter. Heute bin ich froh darüber, auch darüber, nicht ständig fachmännische Kommentare zu meinen zurechtgezottelten Frisuren ertragen zu müssen oder mich gar herauswinden zu müssen, damit mit keine Strähnchen oder neudeutsch: Highlights in die Haare geschmiert werden.

Es gibt doch ach so viel wichtigeres als Haare. Und nicht im Geringsten könnten meine Haare als Absagenausrede herhalten. Wo käm ich denn da hin? Nix da!

Setza hat gesagt…

-->Pe.

Ich mag diese Liebeslebengeschichten ja sehr.

Vermutlich beziehen sie ihre nachhaltige Wirkung einerseits aus der feinen, nicht unnötig überzeichneten und doch zart illustrierenden Sprache sowie aus der verblüffenden Authentizität, die die Leserin und den Leser in ihren Bann zieht.

Ungeachtet dessen sind die Geschichten zudem einfach zauberhauft, unterhaltsam und amüsant.

Pe hat gesagt…

Hoffnungslos überzeichnet.

Setza hat gesagt…

--> Pe.

So sind sie.

Die Großen.

Klagen die großartige, positive Kritik ein.

Und, wenn sie kommt, sind sie wieder nur skeptisch...

Du bist wirklich ein nicht leichter Fall...

Anstatt sich auf das »zauberhauft« zu stürzen...