21.07.05

Kein Titel

Da sitzt er, und es schnürt ihm die Luft ab. Es schnürt ihm die Luft ab in seinen ecrufarbenen Altherrenschuhen mit Flechteinsatz vorne, den graumelierten Socken, der hellgrauen Hose mit regulierbarer Bundweite, dem ecru-grün gemusterten Halbarmhemd und der beigefarbenen Allwetterweste mit den praktischen Reißverschlüssen. Es schnürt ihm die Luft ab, und jeder kann es sehen. Es ist so eng hier unten. Die Wände kommen näher. Der Zug rast durch ein Nadelöhr, aber niemand außer ihm merkt es.

In der Kniekehle wirft die Hose zwei Sitzfalten. Er zupft sie gerade, zuerst die obere, dann die untere, dann wieder die obere. Die rechte Hand fährt über den Bezugsstoff des Nebensitzes. Zweimal aufklopfen. Er ruckt heftig am Griff seiner kunstledernen Arbeitstasche. Zupft an der oberen Sitzfalte, der unteren Sitzfalte. Arbeitstasche. Nebensitz. Untere Sitzfalte, obere Sitzfalte, untere Sitzfalte, Arbeitstasche. Seine Bewegungen sind der Tanz zu einer Musik, die niemand hört. Ich kann nicht wegschauen. Oben, unten, Sitz, Tasche, Sitz. Wir starren ihn alle an.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Faszinierend!
Danke.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Ein Hauch von besser geht's nicht.