14.07.05

Wasser nur mittwochs

Mein Arbeitskollege R. macht mich noch wahnsinnig.

Der Anfall beginnt, sobald eine Person in Hörweite kommt: "Guten Tag, Herr Sulk. Sehr wohl, Herr Sulk. Wird gemacht, Herr Sulk. Auf Wiedersehen, Herr Sulk." Herr Sulk befindet sich allerdings nicht im Raum. Auch nebenan sucht man Herrn Sulk vergblich. Im ganzen Gebäude ist kein Herr Sulk aufzutreiben. Herr Sulk sitzt nämlich in einer Druckerei fünfzig Kilometer weit weg und würde sich vermutlich sehr wundern, trüge man ihm zu, dass R. sich den ganzen Tag lang fabelhaft mit ihm unterhält.

R. besteht darauf, dass seine Büropflanze jeden Mittwoch gewässert wird. Dienstag oder Donnerstag sind inakzeptabel. Für den Fall, dass er mittwochs einmal verhindert ist, haben die Kollegen genaueste Instruktionen erhalten, welche Menge Wassers welcher Temperatur in welchem Winkel in den Blumentopf einzufüllen ist. Bei Zuwiderhandlung drohen selbstverständlich drakonische Strafen.

Wenn R. einmal verhindert ist, ist das die beste Gelegenheit, einmal die im selben Büro sesshaften Kollegen G., T. und Herrn K. zu besuchen und einen Plausch zu halten. Wenn er nämlich nicht gerade mit Herrn Sulk redet, quatscht er anderes unsinniges Zeug in bis dato prächtig fließende Gespräche. "EXE ... Ja, was soll das denn?! ... EXE, ja ... Herr Sulk ... Ach herrje!" Wenn man nun den Fehler begeht und versucht, einen Sinnzusammenhang zwischen seinen Einlassungen herzustellen, dreht man auf der Stelle komplett durch. Ans Ignorieren ist allerdings auch nicht zu denken. Am besten, man wäscht sich die Ohren aus und trollt sich in sein Büro zurück.

Einmal parlierte ich ganz unbelastet mit G. und T. über Fragen des hiesigen Kulturlebens, da kehrte R. früher als angenommen ins Büro zurück und raunte mir ins Ohr: "Du, Pe, ich komme gerade vom Klo und wollte dir sagen - du riechst so gut." Dieser Satz war zwar in sich schlüssig, über diesen Fortschritt konnte ich mich allerdings nur mäßig freuen.

Ein anderes Mal traf ich R. am Wochenende in der Stadt. Seine Lebensgefährtin hatte die Sache bestens im Griff und zog ihn am Arm und an mir vorbei, noch ehe wir einander grüßen konnten. Diese Frau ahnt ja nicht, wie sehr ich sie bewundere.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Liebe Pe.

Sie weiß von Dir?!?

Darüberhinaus erfüllt R. alle Anforderungen für einen soliden, zugegeben langweiligen, Kollegenmord.

R's?! Wollt ihr ewig leben?

Oles wirre Welt hat gesagt…

In der Redaktion, wo ich mal war, hieß R. stattdessen G. und maß täglich mit dem Lineal sein Frühstücksbrot aus. Ansonsten haben R. und G. frappierende Ähnlichkeit im Verhalten. Mein Duft blieb ihm auch nach Toilettenbesuchen verborgen. Traurig war ich nie darüber.

Pe hat gesagt…

Erzählen ist ja häufig nicht gleich erzählen. In der Mail, mit der er mich dazu bewegen wollte, seine Oberschenkel zu massieren, auf dass er bald um den Fußball herumspränge wie ein übermütiger Welpe, war sie jedenfalls nicht im Verteiler.

Pe hat gesagt…

Ich glaube mittlerweile, in Verlagen geht man nicht arbeiten. In Verlagen wird man tagsüber verwahrt.

Püh! hat gesagt…

...tagsüber verwahrt. ???

ach ja? & warum erreicht man Dich dann nicht dort - so um 13.30 Uhr - hm, hm?

Außerdem solltest Du, der Fairness halber, nicht verschweigen, dass Herrn K´s Angewohnheit, mit seiner Zunge sein Gebiss immer wieder vorzuschieben, es dann zu verlieren und vom Boden aufzuklauben um es wieder in den Mund zu nehmen und das Spiel von neuem zu beginnen, sowie T´s laufendes Brummen und G´s ständiges Starren auf Azubis selbige dazu bringt, zu überlegen, ob ein Verlag nicht zum Verwahren von Irrsinnigen benutzt wird...

liebe Grüße,
Püh

Pe hat gesagt…

Freitage enden um 12.15 Uhr. Das solltest du doch langsam wissen.

Setza hat gesagt…

--> Pe.

Ja ha!
Und dass sie viertelnacheins enden können, finanzieren wir mit unser Achtundvierzigstundenwoche hier im Osten.

Aber was tut man nicht alles für die lieben Brüder und Schwestern und ihr Wohlergehen.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Jetzt wird's aber politisch.

Setza hat gesagt…

--> Ole

Oooch.
Nicht sonderlich.

Ist ja Wochenende. Das Synonym für's Unpolitische, quasi.

Und da arbeiten nicht mal wir im Osten.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Ich war auch nur schwimmen. Kurzzeitig blutete mein Fuß, man sollte nicht zu wild an den Metallbohlen des Dortmund-Ems-Kanals rumschrabben. Aber auch das geht vorbei. Zur Abwechslung werde ich gleich Zugfahren.

Setza hat gesagt…

--> Ole.

Prachtvolle Idee.

Zugfahren hat in der Tat praktisch nichts mit schwimmen gemein. Es sei denn, man fährt die gleiche Strecke mit dem Zug, die man auch hätte schwimmen können.

Aber mit blutenden Füßen sollte man das nicht tun.

Da kommt dann gern mal die Umweltpolizei ans Ufer, holt einen raus und man kriegt ein Mandat wegen Wasserverunreinigung.

Du hast also bemerkenswert umweltrelevant entschieden.

Gute Besserung dann auch noch.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Danke. Es ist alles wieder heil. Allzuviel Blut wurde nicht vergossen, die Umweltpolizei hatte einen vergleichsweise ruhigen Tag und war eher beschäftigt, Chipstüten und Colaflaschen aus dem Kanal zu fischen. Vom Zug aus habe ich Rinkerode, Bockum-Hövel, Drensteinfurt oder Neubeckum gesehen. Spannend war es nicht, mein Ziel habe ich aber erreicht.