13.08.05

Familienplanung beim Optiker

Womöglich ist der Eindruck entstanden, ich würde nicht viel von meinen ehemaligen Liebhabern halten. Das trifft im Einzelfall durchaus zu, aber es gibt auch Gegenbeispiele.

M. war Besorgnis erregend dünn und wippte mit seinen Hüften aufreizender als Jennifer Lopez. Mit seinen Mädchenwimpern hätte er in der Kosmetikwerbung Karriere machen können. Er war bayerischer Herkunft und studierte in Leipzig Informatik. In seiner Freizeit umarmte er Bäume oder nahm esoterische Kaltbäder gegen seine Migräneanfälle. Schwer zu sagen, welche dieser Einzeltatsachen mich mehr abstieß.

Ich liebte M. wie verrückt.

Als wir uns kennen lernten, trug M. eine fiese Pilotenbrille; ein Relikt aus seiner schweren Kindheit. Diese wollte er nun ablegen, und er bat mich, ihn zum Optiker zu begleiten. Das schmale Studentenbudget ließ keine Extravaganzen zu: Forsch durchschritten wir die Tür zur Filiale des Marktführers.

Eine blendend gelaunte Großmutter nahm uns in Empfang und versprach dafür zu sorgen, dass wir bald eine Bedienung Fachberatung erhielten. Einstweilen könnten wir es uns ja in der Sitzgruppe gemütlich machen. M. sprang bereits munter zwischen den Auslagen umher. Ich setzte mich, vertiefte mich in mein Buch und wartete ab, welches Gestell M. mir gleich präsentieren würde.

Zunächst aber näherte sich die Großmutter. Sie hatte anscheinend gerade nicht viel zu tun, hielt mich irrtümlich für gelangweilt und schwadronierte mit Blick auf den immer noch zwischen den Regalen herumtobenden M.: "Ihrer, näh? Ja, ja, die Kleinen heut zu Tage. Wollen alles alleine machen."

In diesem Moment fasste ich zwei Entschlüsse: Ich würde keine Kinder haben und nie mehr billige Feuchtigkeitscreme benutzen.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Liebe Pe.

Rechnen wir dem Mütterchen zugute, dass sie womöglich per Anstellungsvertrag geknebelt wurde, Marktführerbrillen zu tragen. Da die immer nur - sagen wir - in 2,5-Dioptrien-Schritten bereitstehen, muss man Konzessionen an den Visus machen. Das wirkt sich dann aus und führt zu überschweng-(nein, ich mag nicht zu schwäng- wechseln)lichen Selbstinterpretationen.

Oder den Optiker wechseln.

Nebenher: Ich setz' die wieder neu aufgekommene Creme 21 in der Lotionvariante auch wieder ab. Nicht wegen Optikererlebnissen, aber wegen der permanent verschmierten Innenseiten meiner Brillengläser.

Pe hat gesagt…

Merke: Nach dem Eincremen wird nicht gegrinst.

Ansonsten empfehle ich Vichy.

Setza hat gesagt…

Ich liebäugele ja mit dem Q10 von Rossmann.

Aber sowas kann man ja im Urlaub nicht offen im Bad stehen lassen.

Da lassen die sich gleich eine Liquiditätsbescheinigung ausstellen. Oder?

Schwarzes Schaf hat gesagt…

babydream Gesichts- und Körpercreme von Rossmann. Der Knaller schlechthin. Nie wieder trockene Haut. Ein Wunderzeug.

Setza hat gesagt…

Ja, schon.
Mag sein.

Aber mit dem Zeug mach ich mich doch unmöglich bei den Zimmermädchen.

Setza hat gesagt…

Außerdem:

Wenn ich bei meinem türkisch (kurdisch?) dominierten Rossmann hier am Adenauerplatz etwas kaufe, das babydrean heißt, kann ich mir ja gleich ein PostIt! mit Ich bin pädophil, und was machst Du heute abend? an die Stirn patschen.

Nee! Dooo!

Ettore Schmitz hat gesagt…

Aach Mädchen...

Ihr mit Euren mehr oder minder mangelhaften Liquiditäten.

Über dieser Diskussion werden, um den Kreis mal wieder zu schliessen, die Füllsel der Vanilleeisanzüge auch nicht ...äh... reifer...

E.S.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Bei Gesichtscrèmes kenne ich mich nicht aus. Dein - wie so oft - großer Text hat aber ganz nebenbei eine Memo an mich selbst wieder auf den Plan gerufen: Termin beim Augenarzt machen und langsam Ausschau nach einer neuen Brille halten.

Setza hat gesagt…

Ja.
Die Augenärzte.

Lass Dir bloß keine 08-15-Brille aufschwatzen...

Pe hat gesagt…

Wer mich Mädchen nennt, fordert meine Langmut heraus. Und was hat mangelhafte Liquiditäten nun schon wieder zu bedeuten?

Setza hat gesagt…

Mich dünkt, er meinte DAS Schaf und DEN Setza...

Pe hat gesagt…

Ach so. Ihr freundet euch gerade an. Dann ist ja alles gut.

Setza hat gesagt…

Wie jetzt?

Pe hat gesagt…

Erste vorsichtige Annäherungen, zärtliches Necken.

Setza hat gesagt…

Na ja.
Das kann sich aber hinziehen...

Im Raume steht aber immer noch: »Wer wen?«

Setza hat gesagt…

Nachtrag:

Schön finde ich ja immer die Floskel aus den Verkehrsmeldungen bei RadioEins

»Das Stauende befindet sich hinter einer Kurve. Bitte Vorsicht bei der Annäherung...«

Hach.

Ettore Schmitz hat gesagt…

Peh ! Äh... pah! Wah! Langmut!
Hast Du ja garnicht, hast Du ja garnicht!

Das mal zuerst. Und dann:
es gibt schliesslich bei der Autoschlange diesen berüchtigten Gegensatz zur biologischen... gnäch?
Will heissen: wir wären so oder so nicht auf der ganz falschen Seite.

Aber das nur nebenbei.

Das Hauptsächliche wollen wir doch der guten Tradition wegen schnell wieder als verplappert vergessen.

Und, mählich wieder ins behäbige Tagwerk zurückgleitend, lasse ich die alte Kaufmannsweisheit vor der Kurve liegen: wer nicht flüssig ist, ist überflüssig.

Pe hat gesagt…

Ich und keine Langmut? Dir geb ich gleich, Freundchen!