01.11.05

Mäandern auf dem Sitzmöbel

Irgendwann in meinem Leben, ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, entdeckte ich, dass sich das Leben viel angenehmer anfühlte, wenn ich auf dem Sofa lag und mir vorstellte, wie sich das Leben wohl anfühlt. Seither hat sich nicht viel verändert.

Das erste Sofa, an das ich mich erinnere, war aus weinrotem Cord. Ich rubbelte gerne mit der Nase über die unterschiedlich breiten Cordrippen, die Nasenspitze klopfte im Stakkato gegen die Stofftäler. Das Kleid, in dem ich eingeschult wurde, war ebenfalls aus weinrotem Cord. Wenn ich mich damit auf das Sofa setzte, verschwand mein Körper, und ich fühlte mich ein bisschen wie Professor Simon Wright.

Das Sofa von R. war lila gemustert. Jedenfalls der Teil, der nicht von der braunen Heimdecke (Kätzchenmotiv) bemantelt wurde. Wenn der R. mich auf dem Sofa missionieren wollte, wurde noch ein olles Handtuch untergelegt.

Mein erstes eigenes Sofa habe ich mir kurz nach dem Abitur gekauft. Es war grau, hatte einen Klappmechanismus, mit dem man es in ein respektabel breites Bett verwandeln konnte und wenn ich die Nase in den Spalt zwischen Sitz und Rückenlehne steckte, war ich glücklich. Auf diesem Sofa empfing ich Haustiere und Liebhaber und legte nie ein olles Handtuch unter. Wir liebten einander, das Sofa und ich, nichts auf der Welt würde uns jemals trennen.

Kürzlich streckte mein Sofa alle Federn von sich und verstarb.

Kommentare:

kein einzelfall hat gesagt…

Herzliches Beileid. Als langjähriges Sitzmöbel wird es sicher in Frieden zu ruhen verstehen. Vielleicht ein tröstlicher Gedanke, der Ihnen den ersten Kummer etwas lindert.

undundund hat gesagt…

komisch, jetzt wo du das erwähnst. als kleinkind war mein größter wunsch ein sofa aus dem otto-katalog. darauf sparte ich. naja, ich versuchte zu sparen. als ich die kohle endlich beisammen hatte (konfirmation) kaufte ich aus jugendlichem geltungsdrang heraus jedoch eine vierhundertwatt monster-stereo-anlage.

auch von mir ein herzliches beileid.

kein einzelfall hat gesagt…

Nach einer kurzen Phase der Pietät keimt bei so einem kürzlichen Todesfall eines gefederten Objekts ein böser Verdacht ... Wie war das denn mit der Aufstellung?

Pe hat gesagt…

Wie, Aufstellung. Versteh ich nicht.

Ettore Schmitz hat gesagt…

Aaach Pe. Schöner kann man es nicht sagen.
Mäandern auf dem Sitzmöbel.

Siehst Du, wie ich knie ?

Gottvoll. Sofasticated.

Schmitz
(nun bereits selbst wieder mäandernd)a

kein einzelfall hat gesagt…

@pe: Aufstellung war die mit dem Gebot. Im Zusammenhang mit Federn nennen sie es jetzt Aufstallung.
(Aber Mäander ist sowieso schöner als Todesursachenforschung - ich lass' gut sein).

Oles wirre Welt hat gesagt…

Wie schade. Gibt es einen würdigen Ort für die letzte Sofaruhe?

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Da sieht man es mal wieder: selbst auf unbelebte Objekte ist kein Verlass.

BoBoMorgenstern hat gesagt…

Hallo Petra!

sach ma, du musst dir unbedingt ne Hängematte zulegen, unter Hängematte versteht man ein Netz, das an zwei Enden aufgehängt wird. Es gibt sie in zwei Varianten: aus Schnüren zusammengebunden & als Leinentuch.
Meist wird die Hängematte im Garten an zwei Bäumen (z.B. Obstbäumen) festgebunden, damit sie ordentlichen Halt hat.
Erfunden wurde die Hängematte von südamerikanischen Indianern.
Ihr Zweck war es früher Matrosen einen Schlafplatz zu gewährleisten, doch heutzutage wird sie zum Ausruhen benutzt. In tropischen Ländern werden Hängematten benutzt, um sich vor Insekten und Ungeziefer zu schützen, die frei auf dem Boden herumstreunen.
Im Sommer bietet die Hängematte zusammen mit einem passenden Gartenbuch die perfekte Entspannung vom Alltag. Ebenso zum Entspannen sind Gartenliegen, die Hollywoodschaukel oder aber die Gartenbank und der Gartenstuhl z.B. aus Teakholz. Dazu noch ein schattiges Plätzchen unter einem Sonnenschirm und der Tag ist perfekt.
Einfachere Netzhängematten hinterlassen häufig lästige Druckstellen auf der Haut und üben unangenehmen Druck auf das Blut aus. Dies solltest du vermeiden, indem du eine etwas teurere Matte kaufst, die aber qualitativ hochwertiger ist. Eine Netzhängematte ist sehr viel leichter als eine aus einem Leinentuch und somit transportabler.
Tuchhängematten sind für gewöhnlich kürzer als Netzhängematten und besitzen manchmal Verzierungen.
Spezielle Stäbe, die Sie an beide Enden der Matte befestigen können, spannen die Hängematte und vermeiden so, dass sich die Matte um den Körper windet. Außerdem erleichtern sie den Einstieg in die Matte, da das Zurechtrichten entfällt.

Hängematten gibt es im Baumarkt und in diversen Internetversandhäusern zu kaufen, was sagt du dazu? Wär das 'ne Alternative?
viele Grüße
der Bodo (hi hi!!)

Pe hat gesagt…

1a abgeschrieben, muss ich schon sagen.