22.01.06

Über M. habe ich ja noch gar nichts erzählt. Das liegt wohl ein bisschen daran, dass M. fast immer ein großartiger Mensch und talentierter Liebhaber war. Nur einmal, da ...

Es war Hochsommer, wir waren unfassbar verliebt und in meiner Wohnung herrschte ein subtropisches Klima. Das Wohnzimmer zur Südseite, über die Breite von fünf Metern reiht sich Fenster an Fenster - beim Entwurf des Hauses hatte man sich entweder über Gebühr von Wintergärten inspirieren lassen oder man hatte exotische Kerbtiere als Bewohner im Auge gehabt.

Klar hätten wir uns auch anders die Zeit vertreiben können. Auf den Winter warten. Einen Fichtennadelaufguss machen. Aber wir wollten nicht. Schließlich waren wir unfassbar verliebt. Wir wollten vögeln, und zwar auf der Stelle. Und ich hatte auch schon eine Idee, wie wir dabei keinen Hitzschlag bekommen würden.

Die oberste Lage der Eiswürfel schmolz sofort, als ich ins Wohnzimmer zurückkehrte. Der Dampf webte in Schwaden über der Schüssel und verflüchtigte sich allmählich. Gegen die gröbste Hitze stopfte ich M. zwei der verbliebenen Eiswürfel in den Mund und applizierte ihm drei weitere auf die Stirn. Das letzte Dutzend Eiswürfel verteilte ich gleichmäßig auf dem inzwischen nackten M. Naja, vielleicht nicht ganz gleichmäßig. Ich hatte auf dem von mir gottgleich verehrten Genital eine Pyramide aus Eiswürfeln gebaut und freute mich daran wie ein kleines Kind.

Dass etwas nicht stimmte, bemerkte ich zunächst nur an Details. M.s Augen, die plötzlich die Form eines Os hatten. M.s Mund, der denselben Buchstaben imitierte. Die Art, wie er die Eiswürfelpyramide beiseite fegte. Er tastete dorthin, wo ihn eben noch das Kunstwerk geziert hatte. Er fühlte. Er zog. Er zerrte. Das O wurde immer größer.

Es dauerte einige Sekunden, bis M. ein Wort an mich richten konnte. Es lautete: "Taub." Wie bitte? "Taub! Er ist ganz taub!" Um mir seinen Zustand zu verdeutlichen, drosch er auf seinen Schwanz ein. Klatsch, klatsch, klatsch. Klatsch-klatsch. "Das (klatsch) ist nur (klatsch, klatsch) das Eis (klatsch!)", versuchte ich ihn zu beruhigen. "Das (klatsch-klatsch) wird gleich (klatsch) wieder (klatsch-klatsch-klatsch!) ." Kurz bevor ich den Exorzisten rufen wollte, beruhigte er sich endlich.

Natürlich hat M. keine bleibenden Schäden davongetragen. Aber die Stimmung war im Eimer. Und von den Eiswürfeln habe ich auch nichts abgekriegt.

Kommentare:

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Klatsch, klatsch. Jetzt ist auch mein bislang unbelastetes Verhältnis zu Eis dahin.

Setza hat gesagt…

Ist das hier eigentlich männefeindlich?

Pe hat gesagt…

Unbelastete Verhältnisse sind kaum noch möglich. Bäume, esoterische Kaltbäder, Eis.

Pe hat gesagt…

Wie, männerfeindlich?

undundund hat gesagt…

sag mal, pe, lesen deine ex-geliebten hier eigentlich mit?

Pe hat gesagt…

Das wäre in der Tat sehr lustig.

burnster hat gesagt…

Da mein lieber Herr Ole einiges von ihrem Geschreibsel hält, betreibe ich kurz Nachlese und stoße schon wieder auf so was Brutales!

Ich beobachte Sie, Frau Pe. Hihi.

Pe hat gesagt…

Mich beschlecht so eine Ahnung von der lustigen Definition des Begriffes "brutal" in Heiligenkreisen.