02.02.06

Die Traumatisierung meines Schoßes begann, als meine Liebhaber - nacheinander, nicht alle gleichzeitig - versuchten, meinen G-Punkt zu finden.

Sie schoben ihre Finger in mich hinein. Erst einen, dann mehrere. Klappte nicht. Sie ließen sich die Fingernägel wachsen, um ihren Tastradius zu vergrößern. Klappte auch nicht. Ihre Kumpels fertigten Wegbeschreibungen für sie an. Vollkommen zwecklos. Sie stocherten teils mit ihren eigenen, teils mit nachgemachten Schwänzen in mir herum. Totale Fehlanzeige. Ein paar konnte ich nur mit knapper Not davon abhalten, mit spitzen Gegenständen meinen Muttermund zu durchbohren. Zur Strafe gab's vaginale Trockenheit bis dorthinaus. Irgendwann wurde es dem G-Punkt zu bunt, und er suchte sich ein anderes Zuhause.

Als erstes zog mein G-Punkt in die Kniekehle ein. Dort konnte er aber nicht lange bleiben, weil ich mir während des Gehens zwanghaft die Lippen leckte und meine Augenlider ständig auf Halbmast hingen.

Ein halbes Jahr später fand sich mein G-Punkt in meiner linken Zeigefingerkuppe ein. Dort bescherte er mir interessante Nebenbeschäftigungen bei langweiligen Besprechungen: die Noppen auf dem Gummigriff des Kugelschreibers, die Rauhigkeit des Notizblattes, die feine Struktur des Tisches. Leider verfolgte ich auch die interessanten Besprechungen nicht mehr mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit, und deshalb musste der G-Punkt noch mal umziehen.

Im Moment wohnt mein G-Punkt in meinem Ohr. Er hat es sich in der Gehörschnecke gemütlich gemacht, badet in Endolymphe und lässt sich vor dem Einschlafen von ein paar schamlosen Sinneshaaren massieren. Mit diesem Arrangement sind wir beide sehr zufrieden.

Kommentare:

Bünni hat gesagt…

Hauptsache der G-Punkt hat den gleichen Musikgeschmack sonst bedeutet das Liebes- und Lustentzug.

Setza hat gesagt…

Großartig.

ettoreschmitz hat gesagt…

Das ist jetzt mal wieder zum Hinknien gut,Pe., anders kann man es nicht beschreiben.

Selbst hier unten in Italien hat es heute früh unglaublich knisternde Eiswölkchen auf den Fingern der Olivenbäume - aber so wie du schreibst, und ich lese es leise und laut zugleich hinein in die Morgenluft - lässt alle meine Bäume ans Knospen des Frühlings denken.

Ich lese ihnen vor von deiner wunderbar feinen Empfindung im Finger und alle lauern darauf, auch noch zu wissen, wie sich wohl so ein Kugelschreiber anfühlt und was das überhaupt ist, so ein Kugelschreiber oder eine Tischoberfläche.

Also mäandern wir über den silberblitzenden Frostgarten. Drüben, kaum schon zu sehen, aber doch wissend strahlend, kurz nach der Sandigkeit Lastra-a-Signa's hebt Firenze seine uralte Hand aus der Kühle herüber und reckt Kuppeln und Türme zu uns herauf.

Und auf einmal gibt es nichts mehr zu erklären.

Wir haben deinen Ton im Ohr.

Frühlingsahnung streichelt uns alle hoch: die Olivenbäume, die Zypressen, das schmale, gelbrote Gemäuer, das uns die Nächte bergend umhüllt, die hochflauschenden Pelzbeutelchen im Gefolge...

Grazie, Signorina Pe.

undundund hat gesagt…

großartig.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Setza und undundund nehmen mir die Worte aus dem M(und). G(randios) Punkt.

Pe hat gesagt…

Schmitzge, bei all deinen Reisen komme ich inzwischen schon gar nicht mehr mit. Na, Hauptsache, du steigst noch durch.

Pe hat gesagt…

Mein G-Punkt hat einen Faible für Saxophone und Klarinetten. Wir kommen gut miteinander aus.

undundund hat gesagt…

string of pearls.


ps: da fällt mir ein, ich war sogar mal in chattanooga.

BLOXXTER hat gesagt…

Mit diesem Beitrag habe Sie bestimmt bei vielen Lesern g-punktet. So auch bei mir. Nicht so fest mit den Q-Tips bitte...

fagga hat gesagt…

Wenn ich das nicht höllisch blöd fänd, würde ich mir jetzt auch so ein kleines Bildchen zimmern, so eins wie da rechts, wo draufsteht "DUZ BLOG", aber bei mir stünde irgendwas anderes drauf, was ich mir noch einfallen lassen müßte, zum Beispiel "BLOG OHNE NENNUNG VON GENITALIEN, WEDER DIREKT NOCH IN FORM VON ANSPIELUNGEN".
Würde ich. Is' aber viel zu albern. Schade eingklich.

Pe hat gesagt…

Ist gut, fagga. Nächstens wieder Beiträge ohne diesen ganzen merkwürdigen Geschlechtskram, versprochen.

500beine hat gesagt…

jeder satz ein treffer.

Pe hat gesagt…

Die Gehörschnecke liegt ja hinter dem Trommelfell und ist sicher vor Q-Tips. Und auch vor bohrenden Zungen. Noch so eine Sache. Männer, die mit der Zunge den kompletten Gehörgang erkunden, fast will man meinen: grundreinigen.

st. burnster hat gesagt…

Ich schließe mich ungern irgendeinem Konsens an, aber der Beitrag war brutal und gut.

Sie erhalten somit den offiziellen Segen von Saint Burnster.

Consider yourself blessed.