26.03.06

Die Hose, die ich neulich anprobiert habe, wurde für eine Frau gemacht, die meinen Hüftumfang hat, allerdings zwanzig Zentimeter größer ist als ich. Also knapp zwei Meter. Die Schleppen an meinen Fersen hätte ich gerne ans Stöffchen geheftet, das mich vom Rest des Kaufhauses trennte. Das endete nämlich eine Handbreit unter meinem Arsch und enthüllte den Passanten während des Umkleidevorgangs all jene Details meines Bindegewebes, die ich am liebsten vor Fremden, Freunden und Liebhabern verberge. Besonders vor Liebhabern.

Aber wozu sich mit Kleinigkeiten aufhalten, schließlich schob sich mein Hinterteil beim Bücken jedesmal komplett aus der Kabinenbegrenzung und unter dem Vorhang hervor. Kleine Kinder rannten weinend zu ihren Müttern und ich überlegte, wo wohl die Frauen leben, denen solche Hosen passen. In Afrika soll es ja so ein Riesenvolk geben, keiner unter einsneunzig. Vielleicht eine Fehllieferung, bei einer multinationalen Bekleidungskette kann das ja schon mal passieren.

Und dann dreht man in einer viel zu engen Kabine Pirouette um Pirouette und fragt sich, was das wohl soll. Und man sorgt sich, dass irgendwer die Polizei ruft, weil er aus Umkleidekabinen herausragende Riesenhintern in kochfester Baumwolle für nicht zumutbar hält, womit er, nebenbei bemerkt, völlig Recht hat, und man studiert das Preisschild, zwanzig Euro runtergesetzt, ein echtes Schnäppchen, und am Ende kauft man die viel zu lange Hose und ruft daheim alle Freundinnen an, was das denn wohl soll.

Und dann bloggt man den ganzen Mist noch, als würde einem nichts Interessanteres passieren. Und dann merkt man: Einem passiert auch gar nichts Interessanteres. Depression für zwanzig Euro runtergesetzt.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Ich würde ja das Schaf gernmal fragen, ob hier beschriebener Vorgang nicht ein trefflicher Hinweise auf eine Autonintialisation* ist. Mir schwant soetwas...

[* Unpassende Hosen probieren, nicht um passende zu finden sondern mit dem Zweck, darüber schreiben dann zu können...]

Programmiernutte hat gesagt…

Mit "ein wenig Leben" im letzten Post war demnach "Hose kaufen" gemeint?

Pe hat gesagt…

Das war irgendwie anders geplant.

Finja hat gesagt…

schreib ne eingabe...
ansonsten: vollste zustimmung. ich frage mich immer, wo die frauen her bekommen, denen hosen in größe 32 passen, die aber mindestens 1,80 groß sein müssen.
außerhalb von kates moss adressbuch jetzt.

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Setza: weiß nich. Außerdem: ist Dein Kommentar nicht ein möglicher Hinweis auf Cortexabsus*? Hm.

[* Hauptsymptom: unnötige Dinge schreiben, um unnötige Dinge zu schreiben]

Setza hat gesagt…

--> Liebes Schaf.

Na also, wenn Du das nicht weißt...

Im Übrigen halte ich es, bei aller mir aus den Knopflöchern triefenden Bescheidenheit, für bemerkenswert, sollte ich die Fähigkeit besitzen, wissentlich unnötiges zu schreiben. Das höbe mich deutlich ab. Höbe mich das.

Es bleiben Zweifel...

Oles wirre Welt hat gesagt…

Wer wohl im Adressbuch von Kate Moss drinsteht? So neben dem Babyshamble-Peter, der jetzt wohl doch wieder darf...

Ansonsten frage ich mich auch immer, warum manche Menschen, die zehn Zentimeter kleiner sind als ich, trotzdem fünf Zentimeter längere Hosen tragen können. Angeblich bin ich ein Sitzriese. Was auch immer genau das nun ist.

Schwarzes Schaf hat gesagt…

Setza: das mit dem Cortexabsus war im Prinzip vollkommen wertfrei gemeint. Welche schriftlichen Produkte sind wirklich unverzichtbar? Adressbücher. Einkaufszettel. Manche Verträge. Aber sonst? Ich kann mich an keinen einzigen meiner Kommentare erinnern, der unwissentilch unnötig gewesen wäre.

Setza hat gesagt…

--> Schaf.
Ach das sagst Du jetzt nur so. Das ist doch pure Koketterie.

Einkaufszettel, da hast Du allerdings Recht.

Sowas von.

Setza hat gesagt…

BTW:
Wir waren übrigens gerade eben im Schwarzen Café frühstücken.

Das war sehr sinnvoll.