02.04.06

Nach meinem Unfall habe ich die Lust am Schreiten entdeckt. Nicht am Rennen, nicht am Laufen, nicht am Gehen, sondern am Schreiten. Am liebsten schreite ich derart langsam, dass man meint, ich würde mir die Stelle unter taktischen Gesichtspunkten aussuchen, an der mein Fuß in relativ absehbarer Zeit den Boden berühren wird. Und das tue ich ja auch. Wem das zu langsam ist, der darf gerne vorgehen, dem rufe ich gerne einen Krankenwagen, wenn er bewusstlos oder zumindest mittelschwer verletzt am Straßenrand liegt, weil ihm ein von Rüpelhand gelockerter Pflasterstein zum Verhängnis geworden ist.

Am liebsten schreite ich sonntags.

Heute beispielsweise schritt ich zu meinem Lieblingscafé. Dazu muss ich vor die Haustür, dann zweimal rechts und einmal links. Dabei durchschritt ich die Straße mit den Zweifamilienhäusern, gepflegten Vorgärten und Jägerzäunen als letztes Bollwerk gegen die Unbill der modernen Welt. Vor allem gegen die Tierwelt:



Meine zuletzt gemessene Schreitzeit von fünfzehn Minuten konnte ich locker überbieten und betrat daher die Gaststube in völliger Zufriedenheit.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

»Rüpelhand«
Wundervoll!

Komme aus meiner Niederknieposition gar nicht mehr so recht hoch...

undundund hat gesagt…

"wer schreitet, der rostet nicht" hat mal irgendwer gesagt. john cleese oder so. weiß jetzt gerade nicht.

Pe hat gesagt…

Ach ja.

undundund hat gesagt…

ebend!