06.07.06

M. und ich hatten nichts gemeinsam. Er lebte im Osten, ich im Westen, er war gebürtiger Bayer, ich Hochdeutschliebhaberin, er sah schwul aus und ich nicht wie jemand, wegen dem man sich ändert. Trotzdem war's um mich geschehen, als ich das erste Mal von seiner Möhren-Lauch-Lasagne kostete. Die schmeckte nach Möhren und nach Lauch und nach Nudeln und nach Käse, aber die Zutat, wegen der ich mich in M. verliebte, war Curry.

M. hatte vor einer Weile seinen dürren Körper mit meinem verwoben, sich anschließend neben mich gelegt und fortan die Decke angestarrt, als hätte er dort vor meiner Ankunft Gesprächsanfänge eingemeißelt. In Geheimschrift. Irgendwann wurde es ihm wohl zu langweilig oder zu peinlich oder beides, und er wedelte mit seinem nackten Kleinmädchenarsch in die Küche. Ich rechnete schon aus, was mir vom Wochenende noch bleiben würde, wenn ich meine Sachen zusammenraffen den nächsten Zug nach Hause nehmen würde, da kroch der erste Möhrenschmelz durch den Türspalt und ich dachte, das wird eine lange Fahrt, iss halt noch mit und dann nimmst du den nächsten Zug. Aber ganz bestimmt. Und wie ich so vor mich hin dachte, schlief ich wohl ein, und es träumte mir sehr merkwürdig.

Ich erwachte, als die Welt unterging. Oder nein, die Matratze ächzte nur seltsam unter M., der wieder ins Bett krabbelte. M. schob mir einen Teller unters Kinn, von dem es duftete. Und wie es duftete! Süß und schwer und ein bisschen nach verbranntem Käse, und in meiner Brust wurde es warm, und ich lächelte, und M. lächelte, und ich blieb noch sehr, sehr lange.

Das alles ging mir durch den Kopf, als mir G., der Koch, heute eine Curry-Möhrensuppe servierte. Diesmal habe ich einfach nach dem Rezept gefragt.

Kommentare:

Looza hat gesagt…

tja, liebe geht durch den magen. ich habe einmal ein zart aufkeimendes pflänzchen der zuneigung eigenhändig ausgerissen als die frau meiner begierde nach der ersten gemeinsamen nacht mein liebevoll gemachtes frühstück im bett ablehnte und sich lieber einen döner holen ging. yuck.

Mlle Händel hat gesagt…

Ja. Mir kommt allerdings meine normalerweise sehr gut entwickelte Kochfähigkeit meistens dann abhanden, wenn ich einen potentiellen oder frischen Liebhaber bekochen soll/will Weil dann bin ich entweder zu nervös, habe keinen Hunger oder mir reicht ne Stulle. Vielleicht schafft der Körper keine übermäßige Stimulans?

Setza hat gesagt…

Schau an, liebe Pe, wie merkwürdig. Die KommentatorInnen refelktieren die Bekochenden, nicht Dich...

Ich reflektiere lieber Dich und weise darauf hin, dass es dieses feine Tucho-Zitat gibt:

»Liebe ist, wenn sie dir die Krümel aus dem Bett macht.«

Oder so.

viktorhaase hat gesagt…

ich weiß nicht warum. aber sobald es ums essen geht, bin ich dabei. ich glotz kochsendungen, lese texte über das essen und flitze durch zubehörläden. toller text. danke.

Mlle Händel hat gesagt…

Ja, stop, ist alles richtig über die Liebe und das Essen. Aber mit der Aufregung einer frischen Bettgeschichte im Bauch denk ich nichts ans Essen. Später dann. Wenn ich soweit bin, die Krümel im Bett wieder wahrzunehmen.

Barleyblair hat gesagt…

Ja ja, sehr verständlich.
Ich bin ja gut und gern bereit die Frau zu ehelichen, die mir das Rezept für eine perfekte Rote-Linsen-Suppe präsentiert...

sunking hat gesagt…

du kannst wirklich wunderbar erzählen.., egal wie bitter das thema ist. ganz zauberhaft. fan! howgh!