05.10.06

Mitbringsel

Vor ein paar Jahren, es war kurz nach Weihnachten, da verkündete mein Onkel M., dass wir einander nichts mehr schenken wollen. Wir müssen alle hart arbeiten, argumentierte er, da sollten wir nicht damit gestraft werden, unsere Freizeit vor den Feiertagen in Abhängigkeit von übellaunigen Einzelhandelskaufleuten zu verbringen. (Der Onlinehandel war damals noch nicht etabliert.) Und die Familienmitglieder mit Tagesfreizeit können sich Geschenke ohnehin nicht leisten. Weil das alles soweit ganz vernünftig klang, haben wir alle zugestimmt. Wir haben die Rechnung aber ohne die Höflichkeit gemacht.

Denn zu einer Feier erscheint man nicht mit leeren Händen. Das gehört sich einfach nicht. Und so ist an die Stelle des Geschenks das Mitbringsel getreten. Und das macht die Sache erst richtig kompliziert.

Regel 1: Ein Mitbringsel ist nicht teuer.
Regel 2: Ein Mitbringsel ist aber auch nicht billig.
Regel 3: Und wenn es doch einmal billig ist, darf es keinesfalls so aussehen.
Regel 4: Es darf aber auch nicht so teuer wirken, als würde man dem Gastgeber ein Geschenk als Mitbringsel unterjubeln wollen.
Regel 5: Für Geschenke muss man sich nämlich revanchieren.
Regel 6: Für Mitbringsel auch, es sagt einem nur keiner.

Seit wir die Mitbringselregelung eingeführt haben, verbringen wir alle viel mehr Zeit mit übellaunigen Einzelhandelskaufleuten. Weil ich darauf meistens keine Lust habe, lüge ich zuweilen das Blaue vom Himmel herunter. Was ich schon wo alles günstig erstanden haben will. Dabei kaufe ich es überteuert im Onlinehandel, seit der sich inzwischen etabliert hat.

Neulich jedenfalls, mein Onkel M. hatte Geburtstag, ich war gerade etwas knapp bei Kasse und überhaupt der Mitbringsel überdrüssig, betrat ich den hiesigen Mittelklasse-Herrenausstatter und trötete der Angestellten zu:

"Junge Frau, zeigen Sie mir doch bitte Ihre hässlichste Krawatte."
"Hässliche Krawatten? Hamwanich."
"Jetzt lügen Sie mir aber frech ins Gesicht. Ich sehe da drüben doch schon zwei recht vielversprechende Exemplare, aber das wird doch nicht alles gewesen sein. Bitte zeigen Sie mir Ihre hässlichste Krawatte."
"Hamwanich!"
"Was ist denn mit dieser hier? Da ist ja alles drin. Also, an Farben. Ist das Ihre Hässlichste?"
"Wir führen keine hässlichen Krawatten."
"Aber ich sehe sie doch."
"Nein."
"Wohl."

So ging das noch eine Weile. Nächstes Jahr belege ich einen Töpferkurs. Selbstgemachte Mitbringsel sind doch immer noch am schönsten.

Kommentare:

Zeigefinger hat gesagt…

Bring endlich Dein Buch heraus.. :)

Michael hat gesagt…

einen selbstgetöpferten Aschenbecher mag doch wirklich jeder....

Jagolina hat gesagt…

Ich bin dazu übergangen, jedem selbstgemachten Sauren zu schenken. Das Anrühren geht fix, olle Flaschen hat man immer und über was zu saufen freut sich fast jeder.

Untersetzter aus Holzwäscheklammern sind aber auch immer hübsch ;o).