30.01.07

Reisevorbereitungen

Schon eine Woche vor der Abreise drehe ich vollkommen durch.

Ich verfolge den Wetterbericht.
Auf sieben verschiedenen Programmen.
Ich erstelle Listen mit Dingen, die ich für die Reise brauche.
Ich erstelle Listen für verschiedene Wetterlagen, jeder weiß ja, dass den Metereologen nicht zu trauen ist, jedenfalls was das Wetter angeht.
Ich räume den Kleiderschrank um, damit alle Kleidungsstücke für die Reise beisammen liegen.
Ich verknote die Oberteile am Ärmel miteinander, damit während des Packens kein Kleidungsstück verloren gehen kann.
Ich mache eine weitere Liste, wann ich was einpacken kann.
Zwei Nächte vor der Abfahrt stelle ich das Schlafen ein.
Die Katze kennt das schon und wird sich ab jetzt bis zu meiner Abreise nicht mehr blicken lassen.
Ich fange an, meine Listen stündlich zu überprüfen.
Ich drucke meine Reiseverbindung zum fünften Mal aus und lege sie an eine Stelle, von der ich glaube, dass ich sie dort vor meiner Abreise finden und einstecken könnte.
Ich fange an zu bedauern, dass ich immer noch kein Testament gemacht habe.

Dann geht es endlich los.

Ich wusele die Kleiderkette aus meinem Schrank und bin verblüfft, dass nicht alles in meine Reisetasche passt.
Ich löse einige Glieder aus meiner Oberteilkette.
Passt immer noch nicht.
Eine zweite Tasche kommt gar nicht in Frage.
Vielleicht doch.
Mir fällt ein, dass ich keine zweite Tasche habe.
Ich beschränke mich schweren Herzens auf Kleidung passend zum vorhergesagten Wetter.
Vor meinem Kleiderschrank liegt ein Berg von herausgerissenen, teilweise miteinander verknoteten Kleidungsstücken. Die Katze wird ihn in den nächsten Stunden als Unterschlupf benutzen.

Spätestens jetzt lasse ich jede Hoffnung fahren und meine Planung noch dazu.

Ich renne durch die Wohnung.
Ich stapele in jedem Raum Dinge, die für die Reise unentbehrlich sind.
Ich mache Stapel verschiedener Prioritäten.
Ich stolpere darüber und lege mich zweimal auf die Fresse.
Ich verfluche meine Bindung an Gegenstände, meine Reisetasche und mein Leben ganz allgemein.
Ich fange an zu packen.

Und dann geht es endlich wirklich los. Auf dem Bahnsteig bemerke ich, dass die Anwesenheit von vier Blusen die Abwesenheit einer Zahnbürste nicht im Geringsten aufwiegt, dass ich alle fünf Exemplare meiner Reiseverbindung auf dem Küchentisch habe liegen lassen, dass die Wettervorhersage nicht stimmt und dass mein Handy den Reiseverbindungen Gesellschaft leistet.

Ich bin froh, wenn ich 48 Stunden später endlich zurück bin, mich bei der Katze entschuldige und meine Wohnung wieder einräume. Reisen sind was für Helden, die sehr viel mutiger sind als ich.

Kommentare:

undundund hat gesagt…

;)

Pe hat gesagt…

Bei meinem nächsten Besuch in Berlin erwarte ich angemessene Begeisterung, jetzt, wo du Bescheid weißt.

undundund hat gesagt…

weiß´bscheid, schätzelein.

Pe hat gesagt…

Muss misch nisch verrückt machn.

Michael hat gesagt…

Umwerfend! Ich muss so oft reisen, dass ich jegliche Gedanken und Planungen daran aufgegeben habe. Ausnahme: Handyladekabel und Fahrkarte. Der Rest muss einfach funktionieren. Wenn's trotzdem nicht funzt bin ich schwer zerrüttet ;-)

Jagolina hat gesagt…

Ich fühle mit Dir! Und da ich zu keiner Verabredung pünktlich sein kann, hab ich eine abartige Verpassparanoia. Ich bin jedesmal sicher, dass ich den Zug/Flieger/Bus/ was auch immer verpasse und gehöre zu den Idioten, die bereits Stunden vor der Abreise auf Bahn- oder Flugsteigen rumlungern.

Grausam!!!

<°((( ~~ hat gesagt…

In Erweiterung der Schlussfolgerung und des Kommentars vom Herrn Michael weiter oben möchte ich behaupten: Reisen sind was für Leute, die wesentlich schlechter organisiert sind als Frau Pe.

Zeigefinger hat gesagt…

Sehr schöne Beobachtungen! Das Handy hab ich noch nie vergessen, aber dann im Urlaub zu merken, daß das zweite Paar Schuhe zu Hause steht, die Blumen nicht gegossen wurden und überhaupt das völlig Falsche im Koffer ist, das passiert mir desöfteren.
Wie wäre es mit der Marktlücke als Travel Planner? Jemand, der den ganzen Tag nach Protokoll die eigene Reise vorbereitet, Hotelbuchung, Wegstreckenverlauf und Tischbestellung inklusive?

Pe hat gesagt…

Mein Handy zu vergessen, ist mein Spezialgebiet. Freunde meinen bereits, ich könnte es genauso gut wieder abschaffen.