10.02.07

Ich habe Geld und würde gern

Ich fühle mich schnell verpflichtet. Ganz besonders schnell zur Höflichkeit. Ich halte Verabredungen ein, auch wenn ich keine Lust habe, ich mache nicht blau, ich bin nicht mal offen unfreundlich zum Filialleiter vom Supermarkt um die Ecke, obwohl der ein spitzes Gesicht und schlimm blondierte Strähnen hat, und wenn er anfängt zu reden, was er eigentlich immer tut, wenn er mich sieht, wird es auch nicht besser. Wenn ich an der Ampel stehe und gedrückt habe, muss ich warten, bis es grün ist, auch wenn gar kein Auto kommt. Über die Ampel zu gehen ohne zu drücken, kommt schon mal gar nicht in Frage. Manchmal bin ich mir selbst zu blöde.

Ich bewundere Menschen, die die Welt an ihrer Meinung teilhaben lassen. Dabei muss die Welt nicht zwingend nach der Meinung gefragt haben. Neulich kam ein Landkommunenhippie von hinten an die Ampel herangebraust, die ich schon vor einer Weile gedrückt hatte und an der ich immer noch wartete. In seinen vor der Brust verschränkten Armen barg er ökologisch bedenkliche Konserven, offenbar war er gerade dem Filialleiter begegnet, in ungebremsten Tempo brauste er auf die Straße, auf der kein einziges Auto fuhr, und genau in der Mitte machte er einen Gene-Kelly-Hüpfer. So schmissig bin ich selten verspottet worden.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

schlimm blondiert
barg
schmissig

Dankesehrschön für die funkelnden Worte.

creezy hat gesagt…

Ein Gene-Kelly-Hüpfer? Das kann niemals Spot gewesen sein, ich wette das war ein freundschaftlicher Frühlingsgruß!