08.03.07

Manchmal denke ich noch an K.s inverse Sommersprossen. Die Punkte hatten sich in der fünften und sechsten Klasse langsam über sein Gesicht ausgebreitet und hatten sich in der siebten zu einem dichten Rasen ausgewachsen, durch den die ursprüngliche Gesichtsfarbe nur noch hier und da hervorblitzte.

K. hatte rote Haare wie ich. Sowas schweißt zusammen. Ich hatte K. gern, weil er der einzige Junge in der Klasse war, der mich nicht verspottete. Weder wegen meiner Haare noch wegen der Tatsache, dass ich zu viele üble Bücher, aber zu wenige Freunde hatte und deshalb nur geschwollen daherreden konnte, wie ich es bei Lady Chatterley gelesen hatte.

Im Beleidigtsein konnte K. so schnell niemand was vormachen. Manchmal hatte er wegen einer Sache noch gar nicht so richtig ausgeschmollt, da passierte schon wieder etwas, weswegen er die Hände in die Achselhöhlen stopfte.

Ich glaube, K. hätte seinem Zorn manchmal schon gerne Ausdruck verliehen, aber er hatte kein Talent zum Brüllen, und um jemandem mal so richtig eins aufs Maul zu geben, fehlten ihm die Muskeln. Bis zur achten Klasse konnte sich jeder ungestraft über K. lustig machen, aber dann ist etwas passiert, das die gesamte Klasse über Wochen paralysierte und das Niederschlag in den beiden schönsten Klassenbucheinträgen der Geschichte fand.

K. schlägt einen Schüler mit einem Stuhl. Rüge!
K. schlägt einen Schüler mit einem Schüler. Tadel!

Kurz nach diesem Vorfall nahm K.s Mutter ihn von der Schule. Ich habe K. nie wieder gesehen.

Kommentare:

undundund hat gesagt…

eins plus, setzen.

creezy hat gesagt…

mensch, mensch, da weckste aber wieder das schlechte Gewissen in mir. Ich habe als Kind glaube ich manch anderem Kind das Leben richtig schwer gemacht, was ich heute noch bedauere. Obwohl wiederum so manch einer davon hinterher richtig guter Freund wurde!

Oles wirre Welt hat gesagt…

Erinnert fast an alte Lucas Arts Abenteuer: Benutze Schüler mit anderer Schüler. Bei der Notengebung schließ ich mich Herrn und³ an. Sapperlot, großer Text.