13.02.07

Wenn ich an meine Großmutter denke, fallen mir als erstes die Patiencenachmittage ein. Ich war wohl neun Jahre alt, und nach der Schule ging ich zu meinen Großeltern, bis meine Mutter von der Arbeit kam. Die Tage waren endlos, wir legten Partie um Partie, und immer, wenn es nicht aufging, beschiss ich, dass sich die Balken bogen, und meine Großmutter tat, als würde sie es nicht bemerken.

Als zweites fällt mir der Mahagonischrank ein. Der reichte bis in den Himmel und barg Kostbarkeiten, von denen man besser niemandem erzählte. In dem Fach ganz oben stand, nein - hielt Hof: ein weißer Porzellankorb mit einem geflochtenen Henkel und den schönsten blauen Porzellanblumen, die ein Mensch je gesehen hat. Manchmal setzte ich mich in den Wohnzimmersessel, meine Großmutter achtete darauf, dass ich die Sicherheitsvorschriften genau einhielt, "Alle vier Buchstaben ganz nach hinten, Katinka!", ermahnte sie mich immer, und dann gab sie mir den Korb auf den Schoß und ich schaute mir die wunderschönen blauen Blumen ganz aus der Nähe an und fühlte an ihren Porzellanstempeln und ich roch an ihnen und sie dufteten wunderbar.

Als drittes fällt mir ein, wie wir spazieren gingen. Bevor wir unsere Mäntel anzogen, bürstete sie immer ihr Haar, das war blond und so viel schöner als mein eigenes. Manchmal setzte sie einen Hut auf. Dann nahm sie mich bei der Hand, und ich schaute hinauf, und wie sehr ich auch den Kopf in den Nacken legte, überall war Großmutter, und wir gingen hinaus, ich immer mit dem Kopf im Nacken.

Als letztes fällt mir ein, wie sie starb. Jemand hatte sie in vier Stücke geteilt und die anderen drei schon mitgenommen, so schien es, als ich sie das letzte Mal sah. Da erst begriff ich.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Das hat sie gut gemacht.

Zeigefinger hat gesagt…

Mohn, roter Klatschmohn. Aber sie ist auch schon lange weit weg.

Pe hat gesagt…

Wie mich das Fernsehen verdirbt: Bei rotem Klatschmohn fällt mir als erstes die Werbung für diese lächerliche Süßigkeit ein.