02.06.07

Dick sein mit Darwin

"Pe, warum bist du dick?", werde ich häufig gefragt. Meist von Kindern oder der gestrengen Frau Mama, und ich erkläre es allen gerne.

Ganz früher war ich dünn. Ich trug ausgewaschene Jeans und Gürtel breit wie Autoreifen, aber so waren die 80er eben. Ich hatte einige Liebhaber und noch einige, die geduldig darauf warteten, dass dieser Posten wieder frei würde. R. zum Beispiel, der wedelte gerne mit seinem noch tropfenden Glied im Kreis herum, nachdem er mich begattet hatte, und erfreute sich an der Zentrifugalkraft. M. umarmte Bäume, wenn ich gerade nicht aufpasste. J. schenkte mir zu Weihnachten die Mark zurück, die ich ihm im Advent für den Einkaufswagen geliehen hatte.

Was für Flaschen.

"Schluss damit!", rief ich. Und: "Es muss etwas passieren!" Aber von alleine passieren ja meistens unangenehme Dinge, etwas wird dreckig oder schimmelig und später beides, und in mir manifestierte sich die Erkenntnis: Da muss ich wohl selber ran.

Meinen Verbündeten fand ich in Darwin. Ich würde mir einfach die natürliche Selektion zunutze machen, indem ich dem Männchen ein Hindernis in den Weg stellte, das sowohl seinen Geist als auch seinen Körper herausforderte. Und spräche es nicht für seine Charakterfestigkeit, wenn sich ein Mann für mich interessierte, obwohl - oder nein! - gerade weil ich mich vom bürgerlichen Verständnis der Schönheit absentierte? Und spräche es nicht für seine Kondition, wenn er sich nicht nur aufmachte, mich zu erobern, sondern mich zu erklimmen? Mit jedem zusätzlichen Zentimeter Hüftumfang würde mein Liebesleben qualitativ gewinnen, davon war ich nach einigem Nachdenken überzeugt.

Ich entsorgte sämtliche Frauenzeitschriften und fing an zu essen. Und was soll ich sagen - es hat tatsächlich geholfen. Die Flaschen sehe ich jetzt an meinen Freundinnen, der feingliedrigen S. zum Beispiel. Die hat sich einen Typen angelacht, der ist Arzt und langweilig, und sie sagt von ihm, man könne mit ihm gut reden. Leider macht er beim Zuhören Geräusche wie eine Ente, das würde mich schon stören, an ihrer Stelle.

Kommentare:

Mo hat gesagt…

Du bist nicht dick, sondern herrlich fraulich kompakt, ein wunderbar unterhaltender Klangkörper eben.
Wir haben Dich genossen, so viel wir durften und konnten.
Herzlichst und ohne Gesieze!

Pe hat gesagt…

Tshihi. Ich fand's auch super.

Ich mag die Bezeichnung dick. Ein schönes, kräftiges Adjektiv. Füllig, korpulent, stattlich - das klingt alles, als würde man ficken sagen wollen, tatsächlich brächte man aber nur heraus: Liebe machen.

Mo hat gesagt…

Mancher Kerl wird sich nicht trauen: Dich ganz profan zu ficken.
Liebe macht Deine Stimme von ganz allein. Fühlen.
(Mes dieux, ich schleime. Igittepfui! Wenn's aber doch so is'..)

Setza hat gesagt…

Ders ja niedlich beeindruckt... Wundervoll.

Aber kommen wir zu etwas ganz anderem. Der Floskel »Liebe machen«. Aber auch nur, weil uns beiden eine Person geläufig ist, die diese Floskel allen Ernstes zu gebrauchen pflegte.

Also. Kürzlich sah ich mal wieder »Radio Days«, in dem eine Hure dem dem Film Entstiegenen erläutert, hier, bei ihnen im Bordell, werde nicht geliebt sonder Liebe gemacht (sic!). Da schrak ich schon ein wenig zusammen und es legte sich ein etwas härteres, aber eben auch interessanteres Licht auf die uns beiden geläufige Person. Vielleicht solltest Du das einmal bedenken?!

Mo hat gesagt…

Nix der.
Frau und Hetera.
Ist mir ja selber peinlich.
Und nun klinke ich mich erst mal wieder aus.
Hasta la vita!-)

Pe hat gesagt…

Lirum larum. Eine gepflegte Verehrung muss niemandem peinlich sein.

lassmann hat gesagt…

mh. klingt wohl durchaus plausibel, das (wie vieles andere hier) - aber dass einer einen baum nicht umarmen soll, wenn er das möchte, finde ich jetzt nicht so gut :)