02.06.07

(Wenn man sich früher unterwegs Notizen gemacht hat, sagte man: "Ich habe mir unterwegs Notizen gemacht." Das kann man zwar immer noch sagen, schillernder hört sich aber an: "Die Zeit im Zug habe ich zum Offline-Bloggen genutzt.")

Ich beobachte schon die ganze Zeit einen Mann, der einen Brief schreibt. Von Hand. Mit einem Füller. Das tut gut, das sieht man nicht mehr häufig, und ich finde es schön, dass er das im Zug nach Berlin und mir schräg gegenüber macht, so kann ich ihn die ganze Zeit anschauen.

Das Briefpapier ist schwachgelb, wiegt ein halbes Pfund pro Quadratzentimeter und hat oben rechts ein Dekor, genau kann ich das von hier aus nicht erkennen, es wirkt aber dermaßen feminin, dass ich erst mal nicht mehr auf das Papier, sondern auf seinen Ringfinger starre. Tja, so kann man sich täuschen.

Er schreibt zwei Blätter voll und sieht dabei sehr erhaben aus. Nicht wie ich mit meinem Schmierblatt, wo auf der Rückseite die Zugverbindung drauf ist und mit einem Kuli, den ich meinem Arbeitgeber geklaut entliehen habe. Selbst das Schaukeln des Zuges tut seinen Ober- und Unterlinien keinen Abbruch, das muss am Füller liegen. Mindestens Montblanc. Er greift in seine Tasche und zieht einen Fensterumschlag heraus. Fensterumschläge sind nicht für handgeschriebene Briefe gemacht, und er müht sich, das Papier ohne Falzhilfe in akkurate Drittel zu falten, die Erhabenheit gerät ins Schwanken, er hat die Adresse so weit unten angebracht, dass nur zwei Zeilen im Umschlagfenster sichtbar sind. Er grunzt als er das bemerkt, stopft aber trotzdem alles zusammen und widmet sich einem Reiseführer für Rügen.

Die Unterwegsgeschichten aus der 1. Klasse sind wirklich ganz anders.

Kommentare:

Setza hat gesagt…

Das sind sie. Auch, dass sie die Erste Klasse erwähnenswert fand...
Sie soll dann aber auch mal was vom der Weißenseer Spitze erzählen...

Pe hat gesagt…

Die gab's nicht.

Setza hat gesagt…

Ja dann ...

Pe hat gesagt…

Eben.