Wenn ich übers Einkaufen rede, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. "Konsumhure!", brüllen die Autonomen in meinem Kopf, aber denen kann ich es eh nie recht machen. Setze ich mich hin und lese, womöglich sogar das kommunistische Manifest, heißt es, ich würde nur vorgeben, intellektuell zu sein, und in Wirklichkeit würde ich mich nach Baccara-Romanen sehnen und mir lieber die Augendeckel anmalen. Mit Glitzerfarbe!
Dabei ist das Einkaufen ein ergiebiges Thema, über das ich mich gerne unterhalte. Man erfährt dabei so viel über die Leute.
Jahrelang habe ich im Plus hier im Viertel eingekauft, aber das geht nicht mehr, seit dem Küchentier vor ein paar Monaten eingefallen ist, dass es mich gern hat, und mir dorthin hinterherläuft, und ich vor allen Kunden umständlich erklären muss, dass ich es immer noch nicht heiraten will.
"Kaffeetrinken vielleicht?"
"Ochnöh."
"Warum?"
"Keine Lust."
"Andernmal?"
"Nee."
"Kaffee und anschließend Massage."
"Also, ich muss doch sehr bitten!"
"Warum?"
"Sag mal, welchen Teil von 'nein' verstehst du nicht?"
"Morgen vielleicht?"
So ging das ein paar Mal, dann entschloss ich mich, den Supermarkt zu wechseln. Jetzt kaufe ich im Rewe in der Innenstadt und vermisse den Plus ganz fürchterlich. Diese piekfein manikürten Verkäuferinnen mit wimpernzangegebogenen Lashes, wie man ja jetzt sagt, und bis knapp unter die Kinnlade hochgeschnürten Möpsen (an einem Dienstag!), die an der Kasse miteinander fachsimpeln, wie die Trennkost und Pilates ihr Leben verändert haben, machen mich depressiv.
Überhaupt geht im Rewe nur high fashion oder Hartz IV. ja!-Graubrot oder Posh-Spice-Premium-Knäcke mit Kürbiskernen und winzigen Käseschreddern drauf, für den leichten Knabberspaß nach dem Pilates. Schöfferhofer Grapefruit oder Hansa. Beides aber nur in Dosen. Beim Dosenpfand sind sie dann doch wieder alle gleich.
19.09.08
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17 Kommentare:
eine massage vielleicht, fräulein pe?
Ich muss doch sehr bitten!
Ich hätte da mal eine Frage: Spricht man das eigentlich Pe oder PE aus?
Pe. Wie man's von der Werner gewohnt ist.
Ich helfe gern.
Ich habe dich übrigens gerade hochgeladen, Pe.
Huch. Daran kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.
Ich habe auch noch eine Version, in der du ins Mikro husten tust.
Ich bin angemessen begeistert.
Süße Stimme.
Wenn ich zwei oder so Bier intus habe, kommt es mir nicht mehr so schlimm, wenn man etwas an mir süß oder niedlich oder nett findet.
Wenn die Wirkung allerdings nachlässt, ist es wieder ziemlich schlimm.
Ich fänd halt mal viel spannender, wieso hier so lang Pause war. Aber nee, kein Wort drüber. Sogar die Kommentare tun so, als wär nix.
Aber daß ich mir die letzten paar Jahre nur eingebildet hab und mich jetzt in der gefühlten Retrowelt an meiner eigenen Zukunftsmusik freuen kann, hm-m, sowas gibt's freilich auch nich', scheiße, verflucht, nee, echt, isdochwahr.
Die Kommentare sind halt schlau und sparen sich die Jammerei von Depression, der selbst mit Alkohol nicht beizukommen war, Künstlerkrise undso. Hat alles keinen Unterhaltungswert, und langweilen können wir uns ja alle auch ohne Blogs, nech.
Außerdem frag ich ja auch nicht, wieso das Außerhalb-Portal wochenlang offline war.
Klingt so, als wär das bei Deiner schlimmen Betroffenheitsallergie tödlich gewesen, erläuternd zu bloggen. Is' gebont.
Hübsch, jedenfalls, daß Du wieder kurzweilig von anderen Langweileien erzählst.
Aber daß Du mich nicht fragst, wieso das Außerhalb-Portal wochenlang offline war, ist durchweg Dein Problem. Wie Du mir daraus hiermit einen Strick stricken willst, kriechichnich inne Birne.
also auch ich bin froh dass es hier wieder heiter weiter geht. (mehroderweniger heiter). und die stimme gefällt mir auch sehr: hurra!
Bei solchen, äh, Komplimenten werde ich ganz, äh, plüsch.
(Mehroderweniger plüsch.)
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