29.11.08

Last Christmas

"Wenn ich das erste Mal Last Christmas höre, fängt die Weihnachtszeit für mich so richtig an", schwärmt die gestrenge Frau Mama am Telefon. Ich bleibe so höflich, wie ich nur kann.
"Sag mal, bist du völlig bescheuert? Last Christmas? Das fand ich schon scheiße, als ich süßliche Belanglosigkeiten noch gut fand."
"Du hast einfach keinen Sinn für Weihnachten." Damit hat sie völlig Recht.

Das Verhältnis zwischen dem Weihnachtsfest und mir verschlechterte sich rapide, nachdem ich in meine erste eigene Wohnung gezogen war. Genauer gesagt, als ich meinen ersten eigenen Christbaum schmückte. Ich stellte relativ schnell fest, dass ich gegen das Tannenbaumharz allergisch bin. Noch bevor ich die erste Hälfte der einhundert Lichter arrangiert hatte, waren meine Finger bereits auf den doppelten Durchmesser angeschwollen. Mehrere Tannenbaumkugeln zerbarsten in meinen Hulkhänden. Der Rest sollte sich in den nächsten Tagen dazugesellen. Meine Hände waren zwar wieder abgeschwollen, aber die Katzen (die waren damals noch jung und nicht so tot wie heutzutage) hatten das neue Stück Indoornatur für sich entdeckt.

Aus Angst, meine Hände würden beim Abschmücken aufplatzen wie alte Sofakissen, entsorgte ich den Christbaum erst Mitte Februar. Weil alle Tannenbaumabholtermine der Müllabfuhr natürlich schon längst verstrichen waren, schaffte ich den Baum bei Nacht und Nebel in eine dunkle Ecke hinterm Haus. Einer der Hippienachbarn würde sicher eher ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten als ich. Die Tannennadeln, die meinen Weg durch den Hausflur markierten, waren wesentlich leichter zu beseitigen als diejenigen, die sich noch über Monate verzweifelt in den Schlingen meines Wohnzimmerteppichs festkletten sollten. Zusammen mit den Glitzerpartikeln und winzigen Scherben des zerschmetterten Christbaumschmucks würden sie mich bis zum nächsten Weihnachtsfest an das vergangene erinnern. Besonders wenn ich barfuß lief.

"Wir hören das aber nicht am Heiligabend, oder?", wimmere ich.
"Na, mal sehen." Als Weihnachtsengel ist sie unerbittlich.

Kommentare:

Havelock hat gesagt…

Ah, ging ja sehr schnell heute, sehr brav. Dafür gebe ich einen Preis für den besten Neologismus. Der Gewinner ist: Hulkhände. Bravo. Applaus.

Pe hat gesagt…

Bedankt.

Michael hat gesagt…

Weihnachten findet bei mir nicht statt. Ich werde unterwegs sein...

Pe hat gesagt…

Ochmönsch. Mail mir doch, wo du bist, dann schicke ich meine Großmutter vorbei. Die hat immer so ein weihnachtliches Glühen um sich herum, das rührt einerseit vom Punsch und andererseits von den Weihnachtsliedern, die sie seit dem ersten Advent unablässig singt.